zum besseren Verständnis

Um das wahre Ausmaß fühkindlicher Konditionierung und deren Auswirkungen erfassen zu können, möchte ich hier unser Verständnis von Realität etwas genauer unter die Lupe nehmen. Realität ist etwas, das wir für real, also für wahr halten, was wiederum bedeutet, dass wir etwas außerhalb dieser, unserer Realität für unwahr halten. Dass wir etwas Unwahres nicht glauben werden und somit eine solche Möglichkeit auch ausschließen werden, ist daher naheliegend.

 

Worauf will ich hinaus? Ich möchte aufzeigen, dass wir im Allgemeinen glauben, alle Möglichkeiten wahrnehmen zu können und unsere Entscheidungen selbstverständlich aufgrund dieser allumfassenden Wahrnehmung treffen. Letztlich begründet sich darauf auch unsere Vorstellung des freien Willens, was buchstäblich aber auf einem Aberglauben beruht, da uns unsere frühkindliche Konditionierung hier gehörig einen Strich durch die Rechnung macht.

 

Das Phänomen der frühkindlichen Programmierung oder Konditionierung bezeichnen Psychologen als PCC = premature cognitive commitment, was so viel bedeutet wie: Auf frühkindlicher Sinneserfahrung beruhende Festlegung. Frühkindlich, da es in einem entwicklungsbedingten biopsychologischen Stadium geschieht; kognitiv, da es die Sinne programmiert, und Festlegung, da es uns in einer bestimmten Realität fixiert. Diese Festlegung sperrt uns im wahrsten Sinn des Wortes in dieser Realität ein. Wir werden also bereits in den ersten Lebensjahren dazu konditioniert in genau dieser Realität zu leben.

 

Ich möchte hier nun ein paar eindrucksvolle Beispiele anführen, um das Ausmaß einer Konditionierung zu verdeutlichen. Wissenschaftler der Harvard Medical School führten ein Experiment durch; sie ließen eine Gruppe junger Kätzchen in einem Raum aufwachsen, in dem es nur horizontale Streifen gab, d.h., alle visuellen Reize waren horizontal. Eine andere Gruppe war in einem Raum mit rein vertikalen visuellen Reizen. Als ausgewachsene Katzen konnte die eine Gruppe nur eine horizontale, die andere nur eine vertikale Welt sehen, und das hatte nichts – wie man vermuten könnte - mit ihren Glaubensüberzeugungen zu tun. Als man ihre Gehirne untersuchte, fehlten ihnen die interneuronalen Verbindungen für die Wahrnehmung einer vertikalen bzw. horizontalen Welt. In anderen Worten, die ursprünglichen Sinneseindrücke dieser Kätzchen hatten ihr neuronales System derart programmiert, dass schließlich ein Nervensystem entstand, das sogar auf der atomaren Ebene nur noch eine Funktion hatte: die aufgrund der Sinneseindrücke gemachten ursprünglichen Erfahrungen immer wieder zu bestätigen und zu verstärken.

 

Von diesen Experimenten gibt es viele Variationen, d.h. diese PCC gibt es in allen Gattungen. Sperrt man Fliegen in einen Topf und entfernt erst nach einiger Zeit den Deckel, so werden die meisten Fliegen - ausgenommen einige Pioniere - den Topf nicht verlassen können, auch wenn er nun offen ist; denn infolge ihrer ursprünglichen Sinneserfahrung erwarben sie ein PCC, demzufolge ihr Universum oben begrenzt ist. Elefanten werden in Indien trainiert, indem man junge Tiere mit schweren Eisenketten an mächtige Bäume kettet. Nach und nach reduziert man die Stärke der Eisenketten; schließlich lassen sich die Elefanten, mittlerweile ausgewachsene kräftige Tiere, mit einem dünnen Seil an armdicke Äste anbinden. Der Elefant ist nicht in der Lage zu entkommen, denn er hat eine Programmierung, die ihn glauben macht, er sei in einem Gefängnis, respektive die Ketten seien unzerreißbar. Trennt man Fische in einem Aquarium voneinander, indem man Trennwände aus Glas in die große Tanks einfügt und entfernt nach einiger Zeit die Trennwände, so schwimmen die Fische so weit, wie es die Trennwände erlaubten, aber nicht weiter, denn in ihrem Geist-Körper befolgen sie ein PCC: bis hierher und nicht weiter.

 

Unsere Sinneserfahrung formt in der Tat die Anatomie und Physiologie unseres Nervensystems, welches in Folge letztlich nur einem Zweck dient: der Wiederholung und Festigung dessen, was zu einem Glaubenssystem geworden ist. Die Redewendung „Ich glaube nur, was ich sehe!“, ist daher überhaupt keine physiologische Tatsache, da genau das Gegenteil wahr ist: Wir sehen, erkennen bzw. erfahren nur, was wir aufgrund unserer Konditionierung bereits davor glauben!

 

Es kommt also ganz darauf an, wer die „Welt da draußen“ durch welche Brille betrachtet. Wenn wir unsere Realität aufgrund unserer gewohnten Erwartungen formen, bedeutet dies zwangsläufig, dass wir die wahre Beschaffenheit der Wirklichkeit nie erfahren, sondern im Akt der Wahrnehmung immer nur aus einem Feld unbegrenzter Möglichkeiten unsere eigene ‚kleine‘ Welt konstruieren. Willkommen im Quantenbewusstsein!

 

 

Bild: DaMentalVaporz
Bild: DaMentalVaporz