Eine typische Stresssituation (akut)

Was geschieht in einer ganz typischen akuten Stresssituation in unserem Körper?

Die nervliche Anspannung, der Stress vor und während einer Prüfung ist immens, da die eigene, aber aber auch die Erwartungshaltung anderer Erfolgsdruck auslöst. Selbstverständlich spielen auch die Rahmenbedingungen wie zB. die Räumlichkeiten und die eigene körperliche Verfassung eine wesentliche Rolle. In bedrohlichen Situationen - vor Urzeiten der Angriff eines Tigers auf einen unserer Vorfahren -, schaltet unsere Gehirn evolutionsbedingt auf das sogenannte Kampf-Flucht-Programm. Dies sind instinktive Verhaltensweisen, die je nach unserer Einschätzung der Situation mehr oder weniger zum Tragen kommen und sich unserer direkten willentlichen Beeinflussung entziehen. Unser Körper schüttet dann aufgrund dieses uralten Überlebensprogrammes das Stresshormon Adrenalin aus. Die Aufgabe des Adrenalins ist es, eine bessere Energieversorgung der Muskeln sicherzustellen, die Sinneswahrnehmung zu verbessern, etc., um den Körper auf die bevorstehende physische Höchstleistung vorzubereiten. Der Körper reagiert entsprechend: Herz-, Puls-, Atemfrequenz und damit auch der Blutdruck steigen (Hitzeempfindungen und Schweißausbrüche inbegriffen), der Muskeltonus steigt (Kloß im Hals, kalte Hände wegen schlechterer Durchblutung), das Blut wird aus dem Magen abgezogen (Übelkeit), und man sieht und hört jede noch so unbedeutende Kleinigkeit.

Da das biologische System aber nicht damit rechnet, dass der ‚kampfbereite’ Mensch nun weder kämpft noch flüchtet, sondern seinen Platz vor dem Prüfer und/oder dem „Publikum“ einnimmt und lediglich, geistige oder feinmotorische (z.B. bei einem Musiker) Höchstleistungen vollbringen soll, bleibt der Körper je nach individueller Disposition mehr oder weniger in Alarmbereitschaft. Die Grobmuskulatur, die für ‚Kraftakte’ zuständig ist, bleibt bestens versorgt und behindert die Feinmotorik mehr oder weniger. Im Extremfall führt dies über Atemprobleme und Händezittern bis hin zur völligen feinmotorischen Blockade. 


Dort wo wir unsere Aufmerksamkeit hinrichten ist auch unser Bewusstsein, unsere Energie. Sind wir mit unserer Aufmerksamkeit außerhalb von uns (beim Prüfer, beim „Publikum“), ist auch unsere Energie zerstreut, also nicht konzentriert und nicht nutzbar. Lenke wir unserer Aufmerksamkeit auf uns, so bleibt die Energie im Körper und steht uns zur Verfügung. Was dann aber oft passiert ist, dass wir mit unserer gesamten Aufmerksamkeit in den Kopf „wandern“ und der Denker in uns ein nur schwer kontrollierbares Eigenleben führt, da der Geist ausschließlich auf das Denken gerichtet ist und daher, mit einem Übermaß an Energie versorgt wird. Es geht einem dann alles Mögliche und Unmögliche durch den Kopf, die Gedanken schweifen ab und die Folge ist völlige Unkonzentriertheit.

Der Stress manifestiert sich dann schon häufig in Verspannungen der Gesichts- und Nackenmuskulatur - wir ‚beißen die Zähne zusammen, und ‚ziehen den Kopf ein’. Diese Verspannungen schnüren „der Luft den Durchgang“ ab und setzen so die Sauerstoffaufnahme und das Energieniveau herab. Ein vermindertes Energieniveau bedeutet aber auch verminderte Leistungsfähigkeit und führt so zu noch mehr Stress. Außerdem wird das Empfinden, das über den Körper in den Kopf steigt blockiert. Ohne Zugang zum „Empfinden“ sind uns bewusste und gefühlvolle Bewegungen (Musiker, Sportler) nicht möglich. Dies hat entsprechend negative Auswirkungen auf den Gesang, die Interpretation eines Musikstückes und auf unsere Körperbewegungen. Es fehlt, dann das Gefühl und somit die Weichheit und der Fluss.

Die Energie muss also dorthin, wo sie benötigt wird - sie muss in den Körper abgesenkt werden. Dadurch wird die stressbedingte Kopflastigkeit ausgeglichen und der Energiefluss wiederhergestellt, was eine optimale Ausgangssituation erschafft. Lenken wir die Aufmerksamkeit in unseren Körper, entspannt sich nicht nur die sogenannte periorale Muskulatur, sondern auch die benachbarte Gesichts-, Kopf-, Nacken- und Halsmuskulatur. Neben einer besseren Durchblutung der genannten Muskelpartien und der damit verbundenen Lockerung und Entspannung in diesen Bereichen wird auch die gesamte Schädelbasis mit allen vegetativen Hirnzentren besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. So werden einerseits durch die Entspannung die Muskeln weicher und beweglicher und andererseits werden Atmung, Stoffwechsel und auch seelische Vorgänge über die Anregung des vegetativen Systems stimuliert. Beides führt zum Abbau von Stress und den damit verbundenen Symptomen. 

Bild: DaMentalVaporz
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