Wahrnehmung

Kurzform

 

 

 

 

Unter Wahrnehmung versteht man die individuelle Beobachtung der inneren sowie äußeren Vorgänge eines Menschen. Zu den inneren Vorgängen zählen die körperlichen, emotionalen und mentalen Aktionen und Reaktionen des Menschen.
 Unter äußeren Vorgängen versteht man all das, was zum Umfeld eines Menschen gehört und über die Sinnesorgane aufgenommen wird. Die Anzahl der aufgenommenen Informationen wird dabei auf die relevanten, bedeutsamen Informationen reduziert. 
Der größte Teil dieser Auswahl- und Bewertungsprozesse läuft unbewusst.
 Diese Selektion wird – wie schon erwähnt - von unseren Erfahrungen, aber auch vom aktuellen Ist-Zustand des Menschen (Hunger, Wachheit/ Müdigkeit, “Stimmung”, Handlungsbereitschaft, Identifikation mit einer Sache usw.) beeinflusst. 
Wahrnehmung wurde also erlernt und sie ist daher subjektiv.

 

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass der wirkliche Anteil aller uns umgebenden Information bei etwa 40 Millarden Bit pro Sekunde liegt und, dass wir dazu in der Lage sind unser Gehirn in jeder Sekunde mit bis zu 15 Millionen Bit (die Zahlen variieren hier etwas) an Informationen zu versorgen. Unser bewusstes Erleben kann davon aber im gleichen Zeitraum gerade einmal nur bis zu 60 Bit verarbeiten. Der größte Teil unserer wahrgenommenen Informationen bleibt also unbewusst. Das heißt jedoch nicht, dass diese Informationen für uns nicht zugänglich wären. Es bedeutet nur, dass wir uns für etwas anderes entschieden haben.

 

Da unser Vorstellvermögen mit Zahlen um die 20 aufhört, können wir uns von größeren Zahlen kein rechtes „Bild“ machen. Deshalb möchte ich hier zum besseren Verständnis eine Metapher von Vera Birkenbihl anführen: Wenn die gigantische Strecke von 11 km unser Unbewusstes repräsentiert, dann beschreibt eine Strecke von nur 15 mm – das ist ca. die Breite des Fingernagels des kleinen Fingers – unser bewusstes Wahrnehmen!

Auf welcher Basis, glauben Sie nun, treffen Sie in Wahrheit Ihre Entscheidungen und wer ist der, der entscheidet? Glauben Sie jetzt immer noch, dass das Sie selbst, also der bewusst denkende Teil von Ihnen ist?

 

Was geschieht nun mit den wahrgenommenen Informationen? Diese werden gespeichert und mit dem bisher abgespeicherten Daten verglichen und zugeordnet. Darauf erfolgt dann eine Reaktion auf einer körperlichen, emotionalen und mentalen Ebene und möglicherweise auch eine Verhaltensänderungen. Deshalb führt der gleiche Reiz bei verschiedenen Menschen zu unterschiedlichen inneren Reaktionen, Gefühlen und daraus resultierenden Handlungen. Wahrnehmung ist also Bewusstwerdung auf die eine Reaktion erfolgt.

 

Die abgespeicherten Daten auf die wir oft zugreifen sind für uns wesentlich leichter zugänglich und wir können dadurch blitzschnell Daten und Fakten miteinander kombinieren, mehr Assoziationen produzieren und Verbindungen erkennen. Bei Nichtbenutzung werden die Daten „tiefer“ im Unterbewusstsein archiviert und der Zugang wird schwieriger. Das gilt auch und vor allem für schmerzhafte Erinnerungen, die wir zu unserem eigenen Schutz oft bis in die untersten Etagen verdrängt haben. Diese mögen wir bewusst nicht mehr erinnern können, aber unbewusst sind alle Informationen immer noch da.

 

Genau diese alten, schmerzlichen Erinnerungen bilden in uns kräftige Glaubenssätze und vorgefasste Meinungen aus, die uns stark beeinflussen. Wir interpretieren die Welt dann aufgrund genau dieser Filter und reagieren dann gewohnheitsmäßig mit genau den Verhaltensweisen, auf die wir leicht Zugang finden. Die Reaktionsmuster auf die wir leicht zugreifen können, sind aber genau die, die wir regelmäßig aktivieren. Wir verhalten uns also immer gleich und finden auf ein alternatives Reaktionsmuster nur schwer Zugang. Sollten unsere Verhaltensmuster destruktiv sein und sich in Wahrheit gegen uns richten, dann entsteht dadurch ein Teufelskreis, da es zu einer ständigen, gewohnheitsmäßigen Wiederholung eines Verhaltens kommt, selbst dann, wenn uns bereits klar geworden ist, dass dies schon lange nicht mehr zuträglich ist. Verhaltensänderungen müssen also neu trainiert werden, da wir erst einmal zum gewohnten Muster „greifen“ werden. Erst durch ein bewusstes Wahrnehmen unseres gewohnheitsmäßigen Verhaltens, schaffen wir Raum für eine alternative Vorgehensweise.

 

Bild: DaMentalVaporz
Bild: DaMentalVaporz