Aufmerksamkeit

Kurzform

 

 

 

 

Im Alltag wandert unsere Aufmerksamkeit meist recht ruhelos, manchmal auch völlig ziellos hin und her. Sie richtet sich mal auf die innere Welt der Erinnerungen und der Gefühle und dann wieder nach Außen. Sie springt von einem Objekt zum anderen und verweilt dort unterschiedlich lange. Während einer „Arbeitsphase“ ist sie auf eine Sache gerichtet und wir sprechen dann von Konzentration. Dann wieder wird sie zerstreut und sieht alles und nichts.

 

Was ist mit alles und nicht gemeint? Damit ist eine ungerichtete, fluktuierende Aufmerksamkeit, die man als Wachheit bezeichnen kann, gemeint. Wenn sich die Aufmerksamkeit nicht auf einen bestimmten Reiz oder ein Detail richtet, sondern rasch von einem Reiz zum nächsten gleitet, verschafft man sich einen Überblick. Es werden also viele verschiedene Objekte oder Reize in kurzer Zeit wahrgenommen, sodass sie ein Gesamtbild ergeben. Das Wahrnehmungsspektrum ist dann weit und die einzelnen Eindrücke werden miteinander verbunden. Wenden wir dann unsere Aufmerksamkeit bestimmten Dingen zu, selektieren wir die für uns wichtigen von unwichtigen Informationen.

 

Unsere Aufmerksamkeit bestimmt also, was aus der Vielzahl der potentiell wahrnehmbaren Eindrücke ausgewählt wird. Unsere Aufmerksamkeit steuert unsere Wahrnehmung, da sie darüber entscheidet „was ich wahrnehme“. Doch wie erfolgt die Selektion? Nach welchen Kriterien werden die Objekte der Wahrnehmung gewählt und nach welchen Mechanismen erfolgt unsere Aufmerksamkeitssteuerung? Es sind unsere Bedürfnisse, Interessen, Einstellungen und Motive, die dafür maßgebend sind. Und woher kommen unsere bewussten, vor allem aber unsere unbewussten Bedürfnisse, Interessen, Einstellungen und Motive? Die meisten entstanden schon früh in unserer Kindheit, als wir von unserer Ursprungsfamilie und dem Naheumfeld geprägt wurden. Aber auch die kollektiven gesellschaftlichen Normen, die Kultur und Religion in die wir hineingeboren wurden, sind maßgeblich für unsere meist unbewussten Programme verantwortlich.

 

Wir entscheiden also zuerst über unsere ganz individuellen Aufmerksamkeitsmuster, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken und bestimmen damit auch, was wir wahrnehmen. Bevorzugen wir mit Hilfe unserer Aufmerksamkeit bestimmte Informationen, so sind wir nicht in der Lage die anderen Informationen, die wir ebenfalls hätten wählen können, wahrzunehmen. Im Normalfall arbeitet unsere Aufmerksamkeit überwiegend automatisch und wir sind uns unserer Aufmerksamkeitsmuster nicht bewusst. Wir müssen uns dieser Muster also erst bewusst werden, um sie willentlich steuern zu können. Und ja, die gute Nachricht lautet: wir können diese ins Bewusstsein holen, indem wir sie aufmerksam beobachten!

Bild: DaMentalVaporz
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