achtsamer Umgang mit Gefühlen

Was „tun“ wir dann eigentlich mit den eigenen Gefühlen, die im Zustand der Achtsamkeit deutlicher wahrzunehmen sind? Selbstverständlich tauchen in uns nicht nur positive Gefühle auf, sondern auch negative wie Zorn, Hass, Verachtung, Angst, Sorge oder Traurigkeit. Gefühle sind sehr starke Kräfte und es ist wichtig sich dessen bewusst zu sein, da sie die Beziehung zu Menschen oder den Verlauf einer Handlung maßgeblich beeinflussen.

 

Es ist unbedingt erforderlich, die eigenen Emotionen wahrzunehmen und sie vor allem innerlich auch zuzulassen, gleichgültig ob sie negativ oder positiv sind. Diese zu verdrängen, also sie sich zu verbieten, macht auf die Dauer seelisch und körperlich krank. Ihnen aber jederzeit freien Lauf zu lassen und sie prinzipiell nur auszuleben, kann genauso schaden; nicht nur anderen sondern auch uns selbst. Es ist wichtig, bewertungsfrei festzustellen, dass sie da sind und es ist wichtig, zu erlauben, dass sie ein Teil von uns sind. Wir lassen ihr Auftauchen einfach geschehen indem wir z.B. Wut wahrnehmen: „Aha Wut taucht auf!“. Ich habe dann zwar ein Gefühl, ich bin aber nicht das Gefühl. Ich nehme also Wut wahr, aber ich bin noch nicht wütend. Die Wut und ich sind noch nicht eins geworden, dh. ich bin noch nicht mit ihr identifiziert. Die Wut hat somit noch keine Macht über mich. Solange ich ein Gefühl beobachten kann, kann ich es nicht sein, da ich ja der Beobachter des Gefühls bin. Ich kann dann aber danach forschen, womit das Gefühl zusammenhängt und wo es hergekommen ist.

 

Jeder Mensch hat Teile seiner Persönlichkeit, seiner Gefühlswelt oder seines Lebens, die er mit aller Macht zu ignorieren und zu verdrängen sucht. Da es viel einfacher zu sein scheint nur an der Oberfläche zu leben und nicht tiefer in sich selbst einzutauchen, suchen wir ständig Ablenkung. Es ist ja auch nicht die angenehmste Erfahrung, wenn man mit seinen Ängsten und „schlechten“ Eigenschaften konfrontiert wird. Sich selbst zu beobachten und zu erkennen, wer wir tatsächlich sind und wie wir funktionieren, kann uns im ersten Moment wahrlich erschüttern. Menschliche Gefühle sind wie ein tiefer Sumpf und nur, wer sich da hinein wagt und im Dreck wühlt, beginnt wirklich und authentisch zu leben. Es braucht viel Ehrlichkeit und Mut, sich der Wahrheit über sich und sein Leben zu stellen, aber es ist viel wichtiger, wirklich zu leben, als ständig darum bemüht zu sein, das eigene Leid zu verhindern. Leben geht eben nicht ohne Risiko und nicht ohne den unbedingten Willen, radikal zu sich selbst zu stehen. 

Bild: DaMentalVaporz
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