Achtsamkeit

Kurzform

 

 

 

 

 

 

Oberflächlich betrachtet scheint ‚Achtsamkeit‘ austauschbar zu sein mit ‚Aufmerksamkeit‘. Im Wort Achtsamkeit ist jedoch noch etwas anderes enthalten: Das Wort ‚Achtung‘ im Sinne von Aufgepasst!, aber auch ‚Achtung haben‘ im Sinne von Respekt und Wertschätzung. Wir alle besitzen die Fähigkeit zur Achtsamkeit. Sie ist allerdings bei den meisten durch die Ablenkungen der äußeren Welt sehr verschüttet. Leider haben wir dies weder zuhause vorgelebt bekommen noch wurde uns in der Schule etwas darüber beigebracht.

 

Achtsamkeit ist das Annehmen einer Wahrnehmung, wie sie wirklich ist. In Momenten der Achtsamkeit besteht hohe Konzentration auf das, was in dem Moment passiert. Diese Konzentration ist im Sinne eines reinem, annehmenden Beobachtens zu verstehen – ohne zu bewerten. Das Wahrgenommene nicht zu bewerten ist dabei ganz entscheidend und fällt uns westlichen Menschen unglaublich schwer. Viele Menschen können gar nicht beobachten ohne zu bewerten, sondern beginnen recht schnell und unbewusst, eine Beobachtung mit einer Bewertung zu kombinieren. Doch sobald wir in die Bewertung hineingehen, gehen wir auch automatisch vom konzentrierten Beobachten weg – und die Achtsamkeit ist dahin.

 

Achtsamkeit bedeutet einer Person zu erlauben, sie selbst zu sein, ohne sie zu verurteilen, ohne sie anders haben zu wollen, als sie ist. Man gibt dem anderen Raum ohne ihn einzuschränken, und bekommt auch für sich selbst mehr Raum, da man nicht nur wahrnimmt, was sich außerhalb von einem zeigt, sondern man kann auch bewusst fühlen, was in sich selbst vor sich geht. Wir werden wachsam für unsere eigenen Gefühle und Gedanken, die sich einstellen. Auch die eigenen körperlichen Reaktionen spüren wir deutlicher (z. B. Herzklopfen, feuchte Hände, ein Ziehen in der Magengegend usw.).

 

Im stillen Beobachten warten wir erst einmal ab, ohne ein Urteil zu fällen. Wir gehen nicht unmittelbar in eine spontane Reaktion, sondern achten auf Mimik und Gestik, auf die Stimmführung und die Körperhaltung des Gegenübers. Es sind die sogenannten non-verbalen Aussagen eines Menschen, die uns viel mehr Informationen geben, als wir vermuten. Da impulsives, unüberlegtes Reagieren auf diese Weise vermieden wird, können Gespräche und Ereignisse einen völlig anderen Verlauf nehmen und auch die Konsequenzen, die sich ergeben, sind andere, da diese Art der Begegnung innere Klarheit und Mitgefühl ermöglicht. Wir begegnen einander mitfühlend und wertschätzend, also liebevoll!

 

In dieser achtsamen Haltung sind alle Sinne aktiv und das Spektrum unserer Wahrnehmung ist erweitert. Wir treten innerlich einen Schritt zurück und nehmen den Standpunkt eines Beobachters ein, bevor wir bewerten und eine Entscheidung zur Handlung treffen. Wurde dieses Verhalten geübt läuft diese Art der Wahrnehmung oftmals nur in Bruchteilen von Sekunden ab, da hier nicht mehr nur vorrangig der Verstand arbeitet, sondern auch unsere Intuition. Wir fühlen dann auch zunehmend, was eine Situation alles tatsächlich beinhaltet, wie es dem anderen geht und was unser Gegenüber ausdrücken will. Wir haben dann einen gewissen Abstand vom Geschehen oder zu einem Problem und sind nicht völlig darin verwickelt.

 

Achtsamkeit bezieht also nicht nur mein Gegenüber mit ein, sondern auch uns selbst: Ich fühle sowohl mit dem anderen, wie auch mit mir selbst! Das bedeutet Mitgefühl, das nicht zu verwechseln ist mit Mitleid. Ein achtsamer Umgang mit mir selbst bedeutet eine möglichst umfassende Wahrnehmung und Achtung meiner Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse. Somit sorgt Achtsamkeit für Gleichberechtigung, weil für mich dieselben Bedingungen gelten wie für mein Gegenüber. Der Umgang miteinander wird dadurch authentischer – wahrhaftiger – ehrlicher, selbst in der Austragung eines Konflikts.

Achtsamkeit schaut nur auf das, was gerade jetzt in diesem Moment ist und sich hier ereignet und schweift nicht in die Vergangenheit oder Zukunft ab. Wir sind ganz wach und präsent im gegenwärtigen Moment, so, wie er sich gerade zeigt. In achtsamer Haltung stehen wir in bewusster Beziehung mit dem, was wir gerade tun oder mit dem Menschen, mit dem wir gerade in Kontakt sind.

 

Unsere Zukunft lässt sich nur von der Gegenwart aus gestalten. Was bedeutet, dass allein das, was ich jetzt gerade tue oder unterlasse, darüber entscheidet, wie die Zukunft aussehen wird. Deswegen ist es so wichtig und wertvoll, im gegenwärtigen Moment mit möglichst allen Sinnen anwesend zu sein. Nur in der Gegenwart können wir mit Sorgfalt die Dinge gestalten oder längerfristige Veränderungsprozesse in die Wege leiten.

Wissenschaftliche Erkenntnisse und der gesunde Menschenverstand sagen uns, dass es uns besser geht, wenn wir positive Qualitäten in uns entwickeln. Selbst wer sich nur ein paar Wochen in Mitgefühl schult, erfährt, dass sich der Blutdruck senkt, der Stress verringert und er sich wohler fühlt. Unsere Welt wäre um vieles freundlicher und weniger problembehaftet, wenn jeder Mensch sich dazu entscheiden könnte, sein Leben mit Achtsamkeit zu leben. Allein schon das eigene, ganz persönliche Leben gewinnt durch Achtsamkeit an Tiefe und Lebendigkeit, fühlt sich kraftvoller, farbiger, intensiver an. Außerdem sind wir weniger gestresst. Auch das menschliche Miteinander wird reicher und die Wertschätzung der gesamten Mit- und Umwelt gegenüber größer.

 

Bild: DaMentalVaporz
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