Reality-Check

 

Wenn jemand einen Reality-Check macht, dann möchte er die wahre Situation betrachten, anstatt sie so zu sehen, wie er sie gerne haben möchte. Ein Reality-Check stellt also eine Bestandsaufnahme und ein Korrektiv gegenüber der Wirklichkeit dar, um Erwartungen, Vorurteilen oder dergleichen entgegenzuwirken. Regelmäßige Reality-Checks ermöglichen uns eine kritische Grundeinstellung gegenüber der eigenen Wahrnehmung und dem eigenen Erleben, was etwas gänzlich anderes ist, als unser innerer Kritiker, der uns als Mensch ständig abwertet. Kritisch uns selbst und anderen gegenüber sind wir alle, aber kritisches Bewusstsein muss erst geübt werden.

 

Wir alle haben eine Vorstellung oder Bild davon, was uns ausmacht, wer wir sind und wie wir sind. Unser Selbstbild gibt unsere eigene Meinung über uns wieder: Wie sehe ich mich selbst?

 

Was macht also unser Selbstbildes aus?

Eigenschaften und Wertvorstellungen, die wir uns zuordnen: „Ich bin ...“

Erfahrungen, die wir gemacht haben und, wie wir diese bewerten

Wünsche und Ziele, die wir haben

Fähigkeiten und Fertigkeiten, die wir uns zuordnen

wie wir unseren Körper sehen

wie wir unsere gesellschaftliche Position sehen

welche Einstellungen wir zum Leben haben

 

Zum Selbstbild gibt es zwei Dinge, die zu überprüfen sind: Erstens, wie steht es tatsächlich um meine Fähigkeiten und Talente und zweitens, wie steht mein 95%iges Unterbewusstsein dazu. Wo schränkt meine unbewusste Sichtweise mich im Ausleben meines tatsächlich vorhandenen Potentials ein und wo mache ich mir etwas vor, nur um nicht mit meinem mangelndem Selbstwert konfrontiert zu werden. Manchmal machen wir uns also besser, als wir sind, übersehen Schwachstellen und blenden Misserfolge aus. Wir überschätzen unsere Kompetenzen oder halten uns für ehrenhafter, als wir es sind. Manchmal machen wir uns aber auch kleiner, als wir sind. Wir überbewerten unsere Schwächen und übersehen unsere positiven Eigenschaften und Stärken.

 

Das Fremdbild spiegelt die Bewertung anderer wieder: Wie sehen mich andere? Wie werde ich von anderen wahrgenommen? Fremdbild und Selbstbild sind von einander abhängig und hier gilt es die Zusammenhänge zu verstehen. Beide haben aber meist recht wenig mit Tatsachen zu tun, sondern sind Resultat persönlicher Wahrnehmungen und Bewertungen. Letztlich ist die Beurteilung und Reaktion anderer uns gegenüber oftmals eine recht deutliche Projektion unserer eigenen unbewussten Selbstbeurteilung. Wie das Wort unbewusst schon sagt: unser unbewusstes Selbstbild ist uns selten bewusst und daher können unser bewusstes Selbstbild und das Bild, wie wir uns wirklich sehen oft sehr unterschiedlich ausfallen. Die Wahrnehmung anderer – trotz deren Wahrnehmungsfilter – mag in der äußeren Begegnung nicht immer angenehm sein, was es aber immer ist: es ist sehr aufschlussreich!

 

Wir alle werden unser Gegenüber immer durch unsere eigene Brille auf dem Hintergrund unserer persönlichen Erfahrungen, Erwartungen, unser Stimmung, usw. betrachten. So sieht man die eine oder andere Eigenschaft als negativ an, weil man mit dieser Eigenschaft in sich selbst nicht klar kommt. Es kann uns auch tatsächlich an einen Menschen erinnern, mit dem wir schlechte Erfahrungen gemacht haben. Vielleicht beneiden wir an anderen bestimmte Eigenschaften und wertet sie deshalb ab. Oder aber wir nehmen eine einzelne negative Erfahrung und verallgemeinern sie aus Angst auf die gesamte Person. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass wir unser Gegenüber idealisieren und Hoffnung und Erwartungen in denjenigen setzen, die dieser vielleicht nicht erfüllen kann oder will. Und selbstverständlich ergeht es den anderen bei der Betrachtung und Beurteilung ihres jeweiligen Gegenübers ebenso.

 

Es geht also darum freiwillig eine Bestandsaufnahme der Wirklichkeit durchzuführen, um beurteilen zu können, ob die eigenen Erwartungen überhaupt einer möglichen Realität entsprechen. Ist der Mensch nämlich zu lange in seiner eigenen kleinen Welt gefangen, passiert etwas, um ihm zu zeigen, dass die Art und Weise, wie er sich und die Welt zu sehen glaubt, nicht stimmt. Er wird dann mit Hilfe der äußeren Ereignisse auf den Boden der Realität geholt. Denn nur weil wir mit unseren 5%igem Bewusstsein denken, dass etwas funktionieren wird, heißt das noch lange nichts. Letztlich ist es die äußere Erfahrung in der Welt die uns eines besseren belehrt. Im Englischen existiert dafür der Ausdruck „Reality bites“.

 

Ein Reality-Check ist daher ein Test, um zu sehen, ob die eigene Wahrnehmung der Realität auch den Tatsachen entspricht. Bei „Deutschland sucht den Superstar“ könnte es bedeuten, dass eine Person denkt, dass er oder sie singen kann, was aber nicht der Wahrheit entspricht, sondern lediglich dem Selbstbild dieser Person. Das Problem ist ja nicht der Umstand, dass derjenige nicht singen kann, sondern dass er denkt er könnte und deshalb bereits seinen Job gekündigt hat.

 

Ein Reality-Check bedeutet, einen objektiven Blick auf etwas zu nehmen. Es bedeutet einen Schritt zurückzutreten und die Sache von weiter weg zu betrachten, damit man sich nicht zu etwas hinreißen lässt, nur weil man gerade sehr begeistert ist. Es ist nämlich ein Unterschied aufgrund der Intuition aus der Mitte heraus zu agieren oder in unendlicher Begeisterung einer Illusion aufzusitzen. Hat man sich einer Realitätsbetrachtung in einem bestimmten Lebensbereich unterzogen und vor sich selbst zugegeben, dass man bestimmte Dinge nicht sehen wollte bzw. konnte, entsteht auch Raum, um erkennen zu können, wo die Ursache dafür liegen könnte.

 

Die Bandbreite bei diesen Einzelsitzungen reicht von einem kurzen "Machbarkeits- bzw. Realitätscheck" bis hin zu einem detaillierten Programm für die Umsetzung, welches dafür sorgt, dass die Umsetzung dort beginnt, wo der Klient in der Umsetzungsfähigkeit steht und nicht dort, wo er oder sie stehen möchte. Dieser Kontrollpunkt hilft sicher zu stellen, dass ein machbares Ziel dann auch tatsächlich erreicht werden kann, da die notwendigen inneren und äußeren Veränderungen mit einbezogen werden.

 

Bild: DaMentalVaporz
Bild: DaMentalVaporz