Zusammenwirken von Körper und Geist

Die moderne Hirnforschung hat nachgewiesen, dass es bei länger anhaltenden Gefühlszuständen zu einer Neuordnung der dafür zuständigen Nervenzellenverbindungen im Gehirn kommt. 
Das heißt, das Gehirn reagiert zum Beispiel auf unsere Sorgen und Ängste, auf Glücksgefühle und Euphorie – also auf alle unsere Gefühle und Überzeugungen – und bringt unseren Körper durch die Ausschüttung von anderen, neuen Hormonen und Neurotransmittern dazu, sich zu verändern. Das Gehirn baut sich also durch die permanente Ausschüttung anderer Hormone und Neurotransmitter um und verändert auch die Strukturen und die Funktionen von Organen.

Wenn wir also beginnen, anders zu denken, zu fühlen oder wahrzunehmen, und zu neuen Überzeugungen kommen, entsteht mit Hilfe unseres Gehirns eine andere, neue Wahrnehmung, so wie ein anderer Bauplan in unserem Körper, der sich exakt nach unseren neuen Vorstellungen ausrichtet. Gleichzeitig ziehen wir neue andere Ereignisse in unser Leben. 
Unser Leben kann sich also vollständig ändern – wenn wir es wollen.

Dafür ist es notwendig unser destruktives und abwertendes Denken zu ändern, damit wir auch anders - positiv - fühlen dürfen. Mit Hilfe der Ontologischen Kinesiologie kann man in ein mitfühlendes Verständnis für die inneren Konflikte und Probleme gelangen und einen persönlichen Erkenntnis- und Entwicklungsprozesses beschreiten. In Folge entsteht neues Denken und Fühlen - wir entfalten unser Potential - und unser Gehirn baut sich bei länger anhaltenden neuen „Verhaltensweisen“ entsprechend um.

Da die innere Veränderung unserer Konditionierungen und somit unserer Wahrnehmung und unseres Denkens über uns selbst eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, geht es hier darum, aufzuzeigen, was man noch alles tun kann, um über den Körper in eine bessere Stimmung zu gelangen. Da sich Körper und Geist immer gegenseitig beeinflussen, können wir auch über unseren Körper Einfluss auf unser Denken und unsere Gefühle nehmen. Unsere Körpersprache, also Mimik, Gestik und wie wir uns bewegen, hat einen Einfluss auf unser emotionales Befinden. Jeder Gedanke hat also Auswirkungen auf unseren Körper. Hormone werden ausgeschüttet, die Aktivität des Kreislaufsystems und unserer Drüsen wird angeregt oder gedrosselt, unsere Motorik wird in Bewegung gesetzt oder verlangsamt.

An einem depressiven Menschen können wir ganz genau beobachten, wie sich die Gefühlslage unmittelbar in der Körpersprache niederschlägt. Ein depressiver Mensch redet langsam, leise und monoton. Sein gesamter Bewegungsablauf ist verlangsamt, seine Mimik ist starr und wie versteinert, seine Körperhaltung ist gebeugt. Er ist unfähig, Blickkontakt aufzunehmen, sondern schaut durch uns hindurch oder auf den Boden. Seine Energiereserven sind aufgebraucht, er lebt quasi auf Sparflamme.

Befinden wir uns aber in einer euphorischen Hochstimmung, so würden wir gerne die ganze Welt umarmen und einen Luftsprung machen. Die Körperhaltung hat sich in dieser Situation automatisch gestrafft und man geht aufrecht und mit erhobenen Haupt umher. Wir strahlen andere Menschen an und unsere Gestik ist ausladend. Wir fühlen uns energiegeladen und selbstbewusst und lachen andere an. unsere Stimme ist kräftig und bestimmt.

Da wir uns ja nicht vorgenommen haben unsere Körpersprache absichtlich zu verändern, sind diese Veränderungen offensichtlich vollkommen automatisch abgelaufen. Unsere Körpersprache, zu der u.a. die Mimik, Gestik, der Blickkontakt, die Körperhaltung, die Lautstärke und Modulation der Stimme zählen, ändert sich fast immer automatisch und blitzschnell.

Ein kleiner Versuch:

Setzen Sie sich so hin, als ob Sie eine traurige Nachricht erhalten hätten und ganz bedrückt seien - also Kopf nach unten, Brustkorb einsinken lassen, Schultern hängen lassen, Mundwinkel nach unten fallenlassen. Spüren Sie, wie sich automatisch Ihre Stimmung ändert und Sie sich belastet und hilflos fühlen.

Und nun in die andere Richtung: Richten Sie sich auf, Kopf nach oben, Blickrichtung nach vorn, mit einem tiefen und kräftigen Atemzug den Brustkorb emporatmen, ein Lächeln auf die Lippen legen. Spüren Sie, wie sich Ihre Stimmung verändert? Fühlen Sie sich nicht ein klein wenig optimistischer und stärker? Sie können auch die Probe auf´s Exempel machen und in dieser Körperhaltung versuchen, sich ein negatives Ereignis in Erinnerung zu rufen. Ich behaupte, dass Ihnen dies sehr, sehr schwer fallen wird oder gar unmöglich ist.

Das Ergebnis einer Untersuchung des Mannheimer Psychologen Fritz Strack lautete "Das Spiel der Gesichtsmuskulatur steuert die Gefühlslage". Strack zeigte seinen Versuchspersonen Cartoons, wobei die eine Gruppe der Versuchspersonen einen Bleistift zwischen den Lippen hatte, die andere einen Bleistift mit den Zähnen hielt. Nur diejenigen, die den Bleistift mit den Zähnen hielten, fanden die Cartoons zum Lachen. Das Experiment zeigt: Menschen, die eine freundliche Miene aufsetzen, erzeugen bei sich gute Laune und euphorische Gefühle. Die medizinische Erklärung hierfür ist: Wird der Bleistift zwischen den Lippen gehalten, sind die Lachmuskeln blockiert, der Blutfluss zum Gehirn ist gehemmt und die heitere Stimmung auslösenden Botenstoffe werden nicht transportiert. Bei froher Miene fließt das Blut ungehindert.

Wenn wir Menschen also grübeln und die Zukunft negativ sehen, uns von allem und jedem bedroht sehen, aktivieren wir in ihrem Körper ganz bestimmte Muskeln. Der Körper gerät in einen chronischen Anspannungszustand. So rühren beispielsweise bei vielen Menschen die Kopf-, Rücken- oder Nackenschmerzen daher, dass sie die Nackenmuskeln verkrampfen und in eine chronische Fehlhaltung verfallen.

Man weiß heute, dass depressive Menschen sich durch körperliche Bewegung und eine aufrechte Körperhaltung ihre Depressionen lindern können. Im Grunde genommen ist dies nichts anderes, als sich entgegengesetzt seiner depressiven Gefühle zu verhalten. Charles M. Schulz lässt in seiner Comicserie Charlie Brown an einer Stelle sagen: „Wenn du depressiv bist, dann macht es einen großen Unterschied, wie du dastehst. Das Schlimmste, was du tun kannst, ist aufrecht zu stehen und den Kopf hochzuhalten, weil dann fühlst du dich sofort besser. Wenn du deine Depression so richtig genießen willst, dann musst du Schultern und Kopf nach vorne hängen lassen.“

Genauso ist es. Unsere Körperhaltung und Mimik beeinflussen und verstärken unsere Stimmung. Wollen wir unsere negative Stimmung beeinflussen, dann können wir ganz bewusst eine Körperhaltung einnehmen, die zu einer positiven Stimmungslage führt. Auch Entspannungsübungen, wie etwa die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, setzen hier an.

Viele Menschen wenden an diesem Punkt ein: "Damit macht man sich doch nur etwas vor, wenn man sich anders körperlich verhält, als man sich fühlt. Das ist doch nur ein so tun, als ob ..." - stimmt, aber wer auf mehreren Ebenen eine Veränderung seines Seinszustandes anstrebt, wird schneller ans Ziel gelangen. Ich glaube nicht, dass eine veränderte Körperhaltung ausreicht, um destruktive, tief im Unterbewusstsein verborgene Programm zu verändern, aber ich bin davon überzeugt, dass uns eine innere Veränderung dann leichter fällt.

Da Körper, Geist und Seele das Bestreben haben, in Einklang zu kommen, wird sich unser emotionales Befinden mit der Zeit auf den Körper einstellen. 


Suchen Sie in Ihrer Erinnerung nach einem sehr positiven Erlebnis und stellen Sie sich dieses möglichst lebendig vor. Wie haben Sie sich gefühlt, wie war Ihre Mimik, Gestik und Körperhaltung? In welchem Tonfall haben Sie gesprochen? Ahmen Sie diese Körpersprache nach. Verändern Sie ganz bewusst Ihre Körpersprache: die Körperhaltung, den Gesichtsausdruck, Blickrichtung und die Atmung.

Wenn Sie aus einem niedergeschlagenen Zustand herauskommen und energiegeladen sein wollen, dann stehen Sie aufrecht und gerade, heben Sie Ihren Kopf und richten Ihren Blick geradeaus oder nach oben. Straffen Sie die Schultern und ziehen Sie sie ein wenig nach hinten und atmen Sie tief und kräftig ein und aus.

Die Devise heißt: Wenn es Ihnen gelingt, dann tun Sie so, als wären Sie schon in dem Gefühlszustand, den Sie anstreben. Dann werden Sie dieses Gefühl verspüren.
 Setzen Sie alles daran in genau dieses Gefühl zu gelangen. Wenn sie es fühlen können, dann haben sie auch die entsprechende Botenstoffausschüttung und wenn Sie diese immer wieder haben, baut sich Ihr Gehirn um!

Zum Abschluss: Suchen Sie sich Filme und Literatur, die Sie begeistern oder zum Lachen bringen – oder noch besser beides! 15 Minuten Lächeln (auch das sich Anlächeln im Spiegel) und Lachen setzen Wohlfühlhormone wie Serotonin und Dopamin frei, die dazu führen, dass Sie sich besser fühlen.

Bild: DaMentalVaporz
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