Stress und Bewegung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Burnout und Depressionen zählen zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten. Aus stressbedingter Anspannung, die über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten wird, wird eine Verspannung und aus dieser Verspannung wird ein Unwohlsein, welches wiederum negative Gedanken zur Folge hat, welche dann wieder den Stress erhöhen usw. ... Man nennt das Spannungsspirale: Spannung schwächt und Schwäche verspannt! Bewegung und Sport können daher einen aktiven Beitrag zur Entspannung und Stressbewältigung beitragen.

Wer unter Stress steht, befindet sich unter Anspannung und in einer Art Alarmbereitschaft. Diesen Zustand haben unsere urzeitlichen Vorfahren über Jahrtausende gelernt, um blitzschnell auf Gefahren und Bedrohungen reagieren zu können und so ihr Überleben in einer feindlichen Umwelt zu gewährleisten. Die Ausschüttung hoher Dosen von Stresshormonen sorgte dabei für die richtige, oft lebensrettende Reaktion: fliehen oder kämpfen waren die Alternativen. Flucht oder Kampf boten aber auch die nötigen Möglichkeiten, sich abzureagieren und den „normalen“ körperlichen Zustand wieder herzustellen.

Wie reagieren wir heute: Wenn der berufliche Leistungsdruck nicht mehr zu bewältigen ist? Wenn einem der übervolle Terminkalender keine Zeit für Familie und Freizeit mehr lässt? Wenn die finanziellen oder privaten Probleme Überhand gewinnen? Während viele Menschen Entspannung auf der Couch vor dem Fernsehgerät suchen, bauen andere Stress durch Bewegung ab. Das passt schon eher zum „Fliehen oder Kämpfen-Szenario“ unserer Vorfahren. Besser verständlich wird Bewegung als Stressreduzierung, wenn man bedenkt, dass auch die Muskulatur bei Dauerstress einer ständigen Anspannung ausgesetzt ist.

Der menschliche Körper hat eine Grundhaltung mit einem entsprechenden Grundspannungstonus.
 Darunter versteht man eine Anspannung, die im Normalfall den Körper so stabilisiert, dass er ausgewogen, mit Leichtigkeit und mit so wenig Kraftaufwand wie möglich durch das Leben geht.
 Ist ein Ereignis oder eine Lebenssituation bedrohlich, reagiert der Körper mit einer Erhöhung der Anspannung.
 Dieser Sicherheitsimpuls bewirkt, dass im Körper die Aufmerksamkeit und die Konzentration erhöht werden, um diese Situation problemlos zu meistern.
 Gelingt es dem Mensch nicht, sich aus der bedrohlichen Lebenssituation zu befreien, hält der Körper die Schutz-Spannung aufrecht.

Bei permanenter Muskelanspannung werden die Blutgefäße regelrecht zusammengepresst, die Versorgung mit Blut und Nährstoffen lässt nach. Dadurch können auch Abfallstoffe schlecht abtransportiert werden, die Muskulatur beginnt zu übersäuern. Die dadurch entstehenden Schmerzen werden schneller chronisch, als man denkt. Ist dann unser Herz-Kreislauf-System und die Muskulatur aufgrund von Bewegungsmangel den täglichen Herausforderungen nicht gewachsen, wird sich der Stress noch zusätzlich erhöhen.

Da unser Körper ein sehr komplexes Überlebenssystem hat, das sich immer wieder regenerieren möchte, muss er den entstandenen Druck ausgleichen.
 Wenn der Körper damit nicht nachkommt, entsteht ein Ungleichgewicht. Aus der Anspannung wird eine Verspannung. 
Eine Verspannung ist letztlich eine erhöhte, chronische Anspannung im körperlichen, emotionalen und auch im mentalen Bereich, da es nicht nur zur Verhärtung der Muskulatur kommt, sondern auch zu unterdrückten und gestauten Gefühlen und eine erstarrten und unflexiblen Denkweise führt.


Aufgrund der Verspannungen beginnt sich unser physischer Körper zu verformen und dadurch verändert sich die innere Haltung.
 Aufgrund dieser inneren Haltung projiziert der Mensch dann sein Verhalten auf seine Umwelt, was weitere Verspannungen zur Folge hat, was wiederum den Energiefluss verringert. Es entsteht die typische Verspannungsspirale: Dem Gedanken folgt ein Gefühl und dem Gefühl folgt eine körperliche Reaktion, und umgekehrt.

Selbstverständlich ist es vorrangig sinnvoll nach den Ursachen im mentalen und emotionalen Bereich zu suchen, um aus dieser Negativspirale aussteigen zu können, aber es ist auch durchaus sinnvoll eine zusätzliche Entspannung über Bewegung auf der körperlichen Ebene zu erreichen. Bewegung steigert die Freisetzung des Glücksbotenstoffes Serotonin sowie der Endorphine und schenkt dem Organismus schon durch langsames Gehen bis zu 25 % mehr Sauerstoff. Das Hormon Adrenalin regt bei positivem Stress, wie zum Beispiel Sport, kurzfristig das Immunsystem an und steigert Kreativität und Leistungsfähigkeit des Gehirns.

Durch Bewegung wird der Herzmuskel gekräftigt, gleichzeitig muss das Herz bei verbesserter Leistung weniger arbeiten. Die Arterien werden elastischer, was sich besonders auf den Blutdruck positiv auswirkt. Durch die Bewegung der Muskulatur entstehen elektrische Ladungen in den einzelnen Muskelzellen, sowie ein elektromagnetisches Feld, welches die Zellmembranen in Schwingung versetzt und so erst eine ausreichenden Nährstoffaufnahme und -abgabe in den Zellen gewährleistet. Es bilden sich feinste Blutgefäße, die Kapillaren, die die Nährstoffversorgung der Zellen verbessern und die Zahl der Mitochondrien, die „Kraftwerke“ der Zellen, steigt, was ebenfalls den Stoffwechsel verbessert.

Sind wir aufgrund von Stress oder Burnout geschwächt, so liegt es nahe auch auf einer körperlichen Ebene für Entspannung, bessere Versorgung und die sich daraus ergebende Regeneration zu sorgen. Auf jeden Fall sollten man, will man mehr als regelmäßige Spaziergänge einbauen, eine Sportart wählen, die Spaß macht. Beim Trainieren sollte man aber keinesfalls unter Leistungsdruck geraten – andernfalls artet es wieder in Stress aus. Am besten eignen sich alle Ausdauer-Sportarten wie Walking (kraftvolle Gehen), Nordic Walking, Laufen, Schwimmen, Rad fahren, Inline Skaten und Schilanglauf.

Bild: DaMentalVaporz
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